Caliciviren (FCV)
Ich denke, jeder Katzenbesitzer hat dieses Wort schon einmal gehört, sei es im Zusammenhang mit den Impfungen, dass der Tierarzt erwähnt hat, dass Ihre Katze nun dagegen geimpft sei. Eventuell haben Sie auch schon dieses Wort gehört wenn es um chronische Zahnprobleme bei Ihrer Katze geht? Vielleicht kann man es auch noch einordnen, dass es einen Zusammenhang hat mit Katzenschnupfen? Doch vielen, wie mir auch, ist und war dieses Virus recht unbekannt. Ich wusste, dass es diesen Virus gibt, ich wusste, dass dagegen geimpft wird und damit hatte es sich schon. Leider musste ich, d.h. meine Kätzchen am eigenen Leib erfahren, wie grausam und schmerzvoll dieser Virus ist, wenn er ausgebrochen ist und sein Gesicht zeigt. Daher habe ich mich entschlossen, Ihnen ein paar Informationen weiterzugeben, wie ich sie in einer Ausführung von Professor Dr. Hans Lutz gefunden habe, dem weltweiten Spezialist für Virologie schlechthin, der mich und meine Tierärzte auch in dieser schwierigen Zeit gut und informativ beraten hat.
Neben den persönlichen Ergänzungen ist dies eine Zusammenfassung aus dem Buch "Krankheiten der Katze", ein äusserst informatives Buch, nicht nur für Fachleute!
Einleitung
Das feline Calicivirus (FCV) wurde Ende der 1950er Jahre erstmals isoliert und als Erreger von Erkrankungen des Atmungsapparates erkannt. Zusammen mit dem Herpesvirus (FHV-1) gilt es als Miterreger des Katzenschnupfens.
Eigenschaften des Virus
Das FCV-Virus ist ein kleines (etwa 35nm) unbehülltes und kugeliges Viruspartikel. Das FCV wird durch organische Lösungsmittel nicht inaktiviert; es überlebt auch Raumtemperaturen während mehreren Tagen. Das Calicivirus kann sich verändern und die Isolaten können gross genug sein, dass eine Impfung nicht gegen sämtliche Feldstämme vollständig zu schützen vermag. Es konnte z.B. ein Stamm ohne Abschwächung der Zellkultur direkt als Impfvirus verwendet werden, während andere Stämme in einem hohen Prozentsatz klinische Symptome verursachen können.
Übertragung
Das FCV wird vor allem durch direkten Kontakt weniger häufig auch durch die Luft übertragen. Haupteintrittspforte ist die Nasenhöhle.
Klinische Symptome und Verlauf
Eine Infektion mit FCV führt nach wenigen Tagen zu Mattigkeit, Fressunlust, Fieber, später zu serösem bis eitrigen Augen- und Nasenausfluss sowie zu äusserst schmerzhaften Einschmelzungen vor allem am Zungenrand und am harten Gaumen. Je nach Virusstamm können die Symptome kaum wahrnehmbar sein oder aber ausgesprochen heftig auftreten. Neben Erkrankungssymptome des Atmungstraktes kann die FCV-Infektion auch zu Durchfall und Erbrechen sowie zu einer Lungenentzündung führen. Eine Lungenentzündung lässt sich klinisch oft kaum feststellen, geht in Einzelfällen aber auch mit schwerer Atemnot einher. Einzelne FCV-Stämme führen zu Muskel- und Gelenkschmerzen, die durch Lokalisation des Virus und/oder von Immunkomplexen in den Gelenken erklärt werden. Kürzlich wurde zudem über einen neuen FCV-Stamm berichtet, welcher für die Entstehung von hohem Fieber und hoher Sterblichkeitsrate verantwortlich ist (dieser Virusstamm suchte uns heim)
Die durch FCV verursachten Entzündungen und Geschwüre der Maulhöhle entstehen gegen Ende der akuten Krankheitsphase durch Verschmelzen von zunächst kleinen Bläschen In der Regel heilen sie rasch ab. Nach der akuten Phase bleiben jedoch bis zu einem Viertel der infizierten Tiere für länger Zeit infiziert und einzelne Tiere werden diesen Virus ihr Leben lang ausscheiden. Bei einigen dieser Tiere kommt er zu chronischen Entzündungsherden in der Maulhöhle, vor allem des Zahnfleisches.
Immunreaktion
Virusneutralisierende Antikörper können bereits fünf Tage nach einer Infektion nachgewiesen werden und steigen danach während mehreren Wochen an. Aufgrund der immunologischen Verwandtschaft der verschiedenen FCV-Feldstämme ist ein Tier, das gegen einen Stamm immun ist, oft längst nicht immer gegen andere Stämme geschützt. Virusneutralisierende Antikörper vermögen die Katzen allerdings nicht vor lokaler Infektion der Maulhöhle mit FCV zu schützen. Viele Katzen werden im Anschluss an die Infektion zu symptomlosen Trägern, welche bis mehreren Monaten oder sogar ein Leben lang diesen Virus ausscheiden. Im Gegensatz zu Herpes erfolgt diese Ausscheidung von FCV einigermassen kontinuierlich und dürfte durch Stresssituationen nicht wesentlich verstärkt werden. Maternale Antikörper können bei Jungkatzen bis zum Alter von 14 Wochen nachgewiesen werden. Die von der Mutter auf die Jungtiere übertragene Immunität vermag die Kätzchen allerdings nicht vollständig vor FCV-Infektionen zu schützen. Solche Jungtiere können sich durch Kontakt mit ihren FCV ausscheidenden Müttern z.T. bereit im Alter von drei bis sechs Wochen anstecken. In diesen Fällen verläuft die Infektion aber oft ohne oder mit nur geringen Symptomen.
Epidemiologie
Akut infizierte Tiere übertragen das Virus entweder durch direkten Kontakt oder gelegentlich auch durch Tröpfcheninfektion auf empfängliche Katzen. Gegenstände wie Fressgefässe oder Käfige können durch das FCV kontaminiert sein und so - wenn auch nur für kurze Zeit, - als Infektionsquelle in Frage kommen. Das gleiche gilt auch, wenn wir mit einem akut infizierten Tier in Berührung kommen und wir diesen Virus über unsere Hände, unsere Kleidung und unsere Schuhe übertragen (wie es bei uns der Fall gewesen ist).
Im Anschluss an die Abheilung der durch die FCV-Infektion verursachten Symptome scheidet ein beträchtlicher Teil der Tiere noch länger Zeit FCV aus. Einzelne Tiere können FCV wahrscheinlich lebenslang ausscheiden. Vor allem bei jüngeren Tieren muss mit symptomloser Ausscheidung errechnet werden. Epidemiologisch am bedeutsamsten dürften auch heute, wo praktisch alle Katzen geimpft sind, die oben genannten symptomlosen Ausscheider sein.
Nachgewiesen kann der Calicivirus mittels Speichelprobe im PCR-Verfahren werden.
Pathologie
Die nachweisbaren Veränderungen nach einer FCV-Infektion sind in der Regel auf Zunge und Gaumen beschränkt. Einzelne FCV-Stämme zeichnen sich durch erhöhte Affinität zum Lungengewebe aus, welche sich später zu einer Lungenentzündung ausbilden können. Bei FCV-infizierten Tieren mit Muskel- und Gelenkschmerzen wurden in den Gelenken, peripheren Nerven und im Zentralnervensystem kaum histologische Veränderungen nachgewiesen.
Impfung
Heute stehen für die Impfung von Katzen gegen FCV-Infektionen verschiedene Impfstoffe zur Verfügung. Es werden attenuierte Lebendvakzinen oder inaktivierte Impfstoffe verabreicht. Die Impfung einer nicht exponierten Katze schützt in der Regel vor FCV-bedingten Erkrankungen, aber nicht immer vor FCV-Infektion. Mit einer Infektion ist z.B. dann zu rechnen, wenn sich das Tier bereits in der Inkubationsphase befindet. Gerade bei zu impfenden Jungtieren ist mit solchen Zwischenfällen zu rechnen, da mit der Impfung meistens dann begonnen wird, wenn die maternale Antikörper abgenommen haben und damit das Kätzchen besonders infektionsanfällig ist. Eine Vakzination ist natürlich auch dann nicht zuverlässig, wenn ein symptomloser Ausscheider geimpft wird. Von einem solchen Tiere wird dann fälschlicherweise angenommen, dass es geschützt ist. Es ist damit zu rechnen, dass empfängliche Jungtiere gerade von diesen symptomlosen Ausscheidern infiziert werden können. Ferner ist auch dann mit einem Fehlen des gewünschten Impfschutzes oder mit Nebenwirkungen zu rechnen, wenn das Immunsystem des Impflings durch eine vorbestehende, klinisch nicht erkennbaren Infektion gestört ist. Im Gegensatz zur intranasale Impfung (Impfung per Tropfen in die Nase) führt die intramuskuläre oder subkutane Verabreichung (Spritze unter die Haut) von attenuierten Virus kaum zur Virausscheidung.
Bezüglich der induzierbaren Immunität ist festzuhalten, dass intranasale Vakzination nach vier Tagen zu einer belastbaren und bereits nach zwei Tagen zu einer relativ guten Immunität führt. Eine intramuskuläre oder subkutane Impfung muss nach drei bis vier Wochen wiederholt werden. Mit einem belastbaren Impfschutz ist nicht vor vier bis fünf Wochen nach der ersten Impfung zu rechnen. Allerdings sei hier angemerkt, dass die in den Vakzinen verwendeten Impfstämme nicht gegen alle Stämme des Calicivirus zuverlässig zu schützen vermögen.
Meine Katzen sind alle mit Feligen von der Firma Virbac, oder mit Felocell oder mit Felovax geimpft. Auch wenn dieser Virus wahnsinnig aggressiv und die Sterblichkeit sehr hoch war, hielten die Impfungen dem Virus stand ausser bei den Kätzchen, die erst einmal geimpft waren und daher nicht über einen genügenden Impfschutz verfügten. Jedoch ist es so, dass es noch viele andere Stämme von Caliciviren gibt und dort könnten diese Impfungen dann versagen...
Man empfahl mir z.B. mit Purvevax von der Firma Merial zu impfen, doch diese Impfung wie auch Feligen schützen nicht vor Parvovirus / Katzenzeuche, s. Thema Parvovirus! Die Frage nach den Impfungen ist für mich ein zentrales Thema geworden, denn es kann nicht sein, dass wir unsere Kätzchen und Katzen diesen Impfungen aussetzen, die für unsere Tiere alles andere als einfach zum Verkraften sind und für Katzen auch bereits zur Todesfalle geworden sind und dann werden sie vor solchen Viren nicht geschützt! Ich weiss nicht, wie Sie das sehen, aber ich bin froh um jedes Feedback diesbezüglich...
Therapie
Bei der FCV-Infektion sind Therapiemöglichkeiten auf antibiotische Bekämpfung der sekundären bakteriellen Infektion beschränkt. Antibiotika sind besonders notwendig bei FCV-bedingten Lungenentzündungen, wobei hier anzumerken ist, dass bei schwerer Erkrankung mit ausgedehnter Pneumonie die Behandlung für das betroffene Kätzchen oft zu spät kommt. Die Vernarbungen der Zunge allein bedürfen meistens keiner Therapie und heilen mit der Zeit komplett ab.
Fazit
Caliciviren sind Viren, d.h. sie haben nicht mit der Anzahl gehaltenen Katzen zu tun und wie oben erwähnt, ist eine Infektion auch stressunabhängig. "Besserwisser" behaupten, meine Kätzchen starben, da ich mehr Katzen habe als der "normale" Katzenhalter, aber ich nahm keinen Zauberstab in die Hand und zauberte diesen verfluchten Virus her! Ich hätte sonst den Zauberstab sofort wieder zur Hand genommen und ihn weggezaubert, denn die Bilder dieser leidenden Kätzchen wird mich noch sehr lange verfolgen, wie sie mit ihren Köpfchen über den Wassernäpfen hangen, weil sie durstig sind aber vor lauter Schmerzen nicht trinken können. Wenn ich ihnen flüssige Nahrung eingeflösst haben, schrieen sie vor Schmerzen auf, da sie dermassen Schluckschmerzen hatten. Es schnürt jedem, der Tiere nur ein bisschen gerne mag, das Herz zu, wenn man sie so leiden sah... Und sie waren so unschuldig!
Mehr zu diesen Kätzchen, die in unseren Herzen weiterleben, bald....
