Was ist passiert?

Im Frühsommer 2008 hatte ich ziemlich gleichzeitig drei Würfe. Da waren die Kätzchen von Smuly und Lilly: Rasmussen, Ranja, Rhion & Ribannah. Dann waren da die vier Kätzchen von Käferchen und Mitja: Roy, Rachel, Ridderspore & Ryan. Und als dritter Wurf hatte ich noch die Kätzchen von Liv und Petterson: Roselyn, Gipsy Lisa, Rohan, Raffaelo & Rudolfsson. Alle 13 waren kerngesunde Kätzchen, voll Lebensfreude und wie Kätzchen eben sind: stets verspielt und hungrig!

Die Kätzchen von Smuly & Lilly wurden geimpft und nachgeimpft und dann anfangs August platziert. Die anderen Kätzchen wurden das erste Mal geimpft und da ich danach für einige Tage nach Skandinavien fuhr, brachte ich drei Kätzchen (Roselyn, Gipsy Lisa und Rachel) bereits vor den Ferien in ihre neuen Zuhause. Dies geschah am Freitag und Samstag den 22. resp. 23. August 2008. Diese Kätzchen sind nie krank geworden.

Am darauf folgenden Montag nahmen meine Nachbarn eine hochträchtige Kätzin bei sich auf, die draussen in der Wildnis lebte. Diese Katze war weder geimpft noch irgendwie sonst tierärztlich versorgt. Am gleichen Tag brachte diese Kätzin ihre Babies zur Welt und ich wurde von meinen Nachbarn gerufen, damit ich mal kurz einen "Profiblick" auf die junge Familie werfen soll. Es war sehr rührend zu sehen, wie zutraulich diese angebliche "Wildkatze" war und ich war ihr und ihren Babies sehr angetan. Als ich in meine Wohnung zurückkehrte, liess ich wie immer die Schuhe vor der Türe stehen und desinfizierte meine Hände mit Sterilium. Aber ich dachte nicht an die Kleider...

Am Mittwoch fuhr ich in die Ferien und alles war bei der Abreise in Ordnung. Am Freitagabend erfuhr ich dann, dass es Rohan und Raffaelo nicht gut gehe: sie hatten Fieber, waren recht apathisch, glänzende Aeuglein und nasse Brüstchen wie struppige Halskrausen. Ich hatte in diesem Moment noch keine Ahnung, was da zu Hause los war. Sie wurden betreut von den Besitzern dieser aufgenommenen Kätzin. Wir einigten uns darauf, noch ein wenig abzuwarten. Die Situation beruhigte sich mit den beiden zunehmend, aber drei Tage (03. September) später kam dieser Anruf: Rudolfsson war tot!!!

Da wussten wir alle, das ist etwas ernsthaftes und mich hielten keine hundert Pferde mehr in Norwegen. Doch der Flug war nicht umbuchbar und so konnte ich erst am nächsten Tag nach Hause fliegen. Gemäss den Aussagen einer weiteren Nachbarin, die meine Katzen ab sofort betreute, erfuhr ich, dass bei Rudolfsson alles sehr akut abgelaufen war und er am Abend vor seinem Tod gelbe Flüssigkeit erbrochen habe. Nun fuhren sie zum Tierarzt und ich ordnete eine pathologische Untersuchung bei Rudolfsson an, die leider nichts ergab. Stattdessen wurde sein Körperchen aus Versehen in die Kadaververwertung überführt statt wie angeordnet kremiert. Dies machte mir noch sehr lange grosse Mühe...

Am darauf folgenden Tag, wir waren bereits auf dem Flughafen in Oslo beim Einchecken, erhielt ich die Mitteilung, dass nun auch Ridderspore, Roy und Ryan krank seien. Die beiden schwarzen Katerchen hatten sich in der Zwischenzeit erholt und waren wieder putzmunter und das ohne Medikamente. Sie fuhren mit ihnen zum Tierarzt, sie wurden mit Antibiotika behandelt und einem fiebersenkendem Mittel, denn die Fieber waren extrem hoch. Am Abend, als ich endlich zu Hause eintraf, war Ryan schon wieder über dem Berg, nicht aber Ridderspore und Roy.

Was ich nun in diesen Tagen mit Riddi und Roy durchmachen musste, wird unvergesslich bleiben. Sie wollten trinken und hingen über dem Wassernapf, aber sie konnten nicht trinken, da sie dermassen Halsschmerzen hatten. Ich versuchte alles, war tagtäglich mit ihnen beim Tierarzt, ich flösste ihnen Futter ein ... aber es half nichts: am Sonntag morgen, 07. September 2008, fand ich meinen grossen und kräftigen Ridderspore tot unter dem Bürotisch. Ich war geschockt, denn bis zuletzt hatte ich gehofft!

Am nächsten Tag brachte ich seinen Bruder Roy zum Tierarzt, damit er stationär aufgenommen wird, denn er zeigte mir einen unheimlichen Lebenswille und war dennoch sehr schwach. Zwei Tage haben wir um ihn gekämpft, aber als dann seine Zunge begann abzusterben, wussten wir, dass wir auch diesen Kampf verloren hatten. So wurde Roy drei Tage später, am 10. September 2008 von seinen Leiden erlöst.

Bis zu diesem Moment wussten wir noch nicht, was da vorging, was war verantwortlich für die Erkrankung wie auch den Tod der Kätzchen? Der Tierarzt vermutete Caliciviren und einige Tage später, als wir die Ergebnisse von den entnommenen Proben erhielten, wurde dies Gewissheit. Dies war auch die Erklärung, warum "nur" die erst einmal geimpften Kätzchen betroffen waren und der Virus an den erwachsenen Katzen spurlos vorbeiging. Aber Calicivirus kann sehr viele verschiedene Stämme haben und dieser sehr agressive Stamm, der bei uns eingezogen ist, ist selten, aber umso schlimmer und hat tragische Folgen aber die Katzen waren geschützt durch die Impfungen.

Wer glaubt, dies sei das Ende der tragischen Ereignisse, der täuscht sich!!!

 

Genau in diese Zeit hinein, wurden die vier Kätzchen Reni, R'Blåbaer, Runa und Rosebaer geboren. Ich machte mir natürlich sehr grosse Sorgen um sie und zusammen mit dem damaligen Tierarzt suchten wir nach Möglichkeiten, sie zu schützen. Sehr schnell wurde mir das Medikament Feliserin empfohlen und in meiner Verzweiflung und Schockzustand, hinterfragte ich nichts und vertraute dem Tierarzt. Wenn ich im Internet nachgeforscht hätte, ja dann hätte ich keinen Milliliter Feliserin gespritzt!!! Wieviele Katzen und Kätzchen sind nach der Behandlung mit Feliserin gestorben! Unzählige!! Doch alle Versuche, gegen diese gewaltige Pharmafirma anzukommen, wurden im Keim erschlagen, daher habe ich es selber gar nicht versucht. Noch heute wird in der Schweiz dieses Medikament als harmlos, d.h. ohne Nebenwirkungen verkauft. In Deutschland wurde diese Falschinformation zwischenzeitlich korrigiert.

 

Ich musste die Kleinen alle Woche einmal behandeln und das über 3 Wochen lang. Sie mochten diese Behandlungen nicht und bei Blåbaer wie Rosebärchen konnte ich das Medikament nicht verabreichen, da sie sich so dagegen wehrten. Dies ist der Grund dass 1. Rosebärchen heute noch lebt und 2. Blåbaer aus einem anderen Grund sterben musste, seine Symptome waren völlig anders als bei seinen Schwestern.

Begonnen hat es mit Reni, meinem kleinen süssen Engelchen: ich erinnere mich noch genau, wie mir an diesem Samstag morgen auffiel, sie war gerade mal 7 Wochen alt, dass irgendetwas mit ihrer Koordination nicht stimmte. Sie schüttelte auch das Köpfchen immer wieder hin und her. Sofort war ich beim Tierarzt, dieses Mal einem anderen. Er konnte nicht viel machen, spritzte ihr Vitamine und meinte, wir müssen abwarten. Reni ging es danach nicht viel besser aber in der Nacht verschlechterte sich ihr Zustand zusehends. Ein telefonisches Gespräch mit dem Tierarzt brachte auch nicht viel mehr ausser der Möglichkeit, sofort mit ihr vorbeizukommen, doch er riet mir, noch ein wenig abzuwarten. Reni verlor daraufhin ihre Koordination vollkommen und am Schluss hielt ich sie in meinen Händen und musste zusehen, wie sie vor lauter Schmerzen und Angst schrie und dann starb. Das war für mich ganz, ganz schlimm und selbst jetzt, wo fast ein Jahr drüber ist, weine ich immer noch, denn diese angsterfüllten und verzweifelten Augen sehe ich immer wieder vor mir....

Der Tierarzt war auch erschüttert, als ich ihm Reni zur Kremation am 26.10.2008 brachte und er meinte sofort, da ist mehr dahinter als "nur" die Caliciviren. Ich besprach danach die ganze Situation mit ihm und er meinte nur, dass er Feliserin nie verschrieben hätte, denn 1. ist seine Wirkung umstritten und 2. die Nebenwirkungen sehr massiv sein können. Für ihn war klar, dass dieser schreckliche Tod von Reni auf dieses Medikament zurückzuführen sei.

Danach hatten wir alle ein wenig Ruhe, aber die war nur von kurzer Dauer! Am Vorabend vom 09.12.2008 beobachte ich, dass es Runa nicht gut ging. Sie war so lethargisch und apathisch, etwas, was überhaupt nicht zu ihr passte! Sie war doch immer ein Wirbelwind par excellence gewesen. Ich beobachte sie genau und am nächsten Morgen lag sie nur noch am Boden und ihr Körperchen war kalt, da gingen bei mir die Alarmglocken. Ich fuhr umgehend mit ihr zum Tierarzt und dort starb sie eine halbe Stunde später, sie schlief einfach ein.

Dieses Bild nahm ich drei Tage vor ihrem Tod auf, da war alles noch in Ordnung!!!

 

Nein, schrie es in mir auf, das darf doch einfach nicht sein!!! Ich war wie am Ende, ich konnte nicht mehr! Auch bei Runa war es für diesen Tierarzt klar, das liegt am Feliserin.

Obwohl das Sterben von Blåbaer nichts mit den Geschehnissen rund um den Calicivirus wie das Feliserin zu tun hat, so setze ich ihn auch auf diese Seite mit seinen Schwestern.

Ein paar Tage bevor Runa starb, brachte ich R'Blåbaer in sein neues Zuhause. Alles war tip-top und der kleine Katermann lebte sich sehr schnell und gut ein. Doch nach einigen Tagen erreichte mich die Nachricht, dass er nicht mehr esse und trinke und seine neuen Besitzer brachten ihn zu meinem Tierarzt. Eigentlich wollte ich den Kleinen zu mir holen, da ich mir dachte, dass er die grössten Chancen hat, wenn er in seinem vertrauten Kreis sei, doch der Tierarzt winkte ab indem er sagte, dass dies nichts mit dem zu tun hatte, was bei mir zu Hause abgelaufen ist. Die Symptome waren total verschieden. Es kam aber wie es kommen musste, am 15. Dezember musste ich ihn ziehen lassen, denn sein Leiden war unerträglich geworden. Dieses grosse Katerchen, ich konnte es nicht verstehen!!!

Im Nachhinein habe ich erfahren, dass seine zweite Katze trotz Freilauf nicht geimpft wurde, krank wurde und kurze Zeit darauf verstorben ist. Gemäss Auskunft des Tierarztes sind wir überzeugt, dass Blåbaer von dieser Katze aufgrund seines jungen Alters angesteckt wurde und sein Immunsystem mit diesen Viren nicht fertig wurde. Und somit musste auch noch dieses Katerchen sterben.

Der bittere Nachgeschmack

Für mich waren diese Monate im Jahr 2008 sehr, sehr schlimm und haben mir zeitweise den Boden unter den Füssen weggezogen. Ich konnte nichts mehr anderes tun, als nur noch zu reagieren! Es gibt Leute, die glauben, dass ihnen das nie geschehen könnte, aber jeder Züchter wie Tierbesitzer weiss, dass auch ihm das widerfahren kann. Es ist eine Tatsache, dass wir unsere anvertrauten Tiere niemals zu 100% schützen können. Ich erkannte, dass wir (ich und meine Katzen) ein immenses Pech hatten und dennoch bin ich heute zur Ruhe gekommen, denn ich konnte loslassen!

Um zur Ruhe zu kommen habe ich mich entschlossen, eine Zuchtpause, ein sogenanntes Sabbatjahr, einzulegen. Ich habe mich weitergebildet über Viruserkrankungen, ich habe mich mit den Impfungen auseinandergesetzt und ich habe nun endlich eine Tierklinik gefunden, wo ich den Tierärzten vertrauen kann. Dieses Sabbatjahr ohne Katzenkinder, tat mir sehr gut und half mir, die Geschehnisse zu verarbeiten. Aber in meinem Herzen leben Rudolfsson, Riddi, Roy, Reni, Runa und Blåbaer weiter und sie wachen wie Sterne über uns und über jedem zukünftigen Kätzchen, dass hier geboren werden wird!!!